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fliegervirus.info

16. Oldtimer Fliegertreffen auf der Hahnweide
vom 2. bis 4. September 2011

 
 

19.10.2011 - Lange zwei Jahre hat es gedauert, bis Anfang September die Hahnweide wieder zum Hotspot der deutschen und europäischen Fans und Liebhaber historischer Flugzeuge wurde. Insbesondere die Traditionen aus den Anfängen des Segelflugs werden von den ansässigen Vereinen an diesem Sonderlandeplatz südöstlich von Stuttgart gepflegt.

Der Tradition verpflichtet 

Viele Jahre hat Wolf Hirth, der maßgeblich die Entwicklung dieses wundervollen Sports geprägt hat, hier gewirkt. Nach ihm hat sich daher auch die Fliegergruppe benannt, die alle zwei Jahre das Hahnweide Oldtimertreffen ausrichtet und zu einer der europaweit populärsten Veranstaltung dieser Art entwickelt hat. Im Jahr 2011 fand das OTT auf der Hahnweide, wie es abgekürzt wird, bereits zum 16. Mal statt. Dabei galt, es ein schweres Erbe anzutreten, war doch die denkwürdige Veranstaltung 2009 zum 15. Jubiläum vielen Teilnehmern noch in lebendiger Erinnerung. Es erschien unglaublich und einmalig, was vor zwei Jahren am Boden und im Flug an Luftfahrthistorie präsentiert wurde. Auf dem sonst eher beschaulichen Segelfluggelände im Albvorland unterhalb der Burg Teck wurde damit eindrucksvoll gezeigt, dass es auch in Deutschland möglich ist, vergleichbare Veranstaltungen wie in Duxford und dem Meeting de la Ferté-Alais auszurichten.

Mit dem reichen Erfahrungsschatz aus den vergangenen Jahren, der hervorragenden Vernetzung innerhalb der internationalen Oldtimerszene und dem unglaublichen Enthusiasmus, den die Organisatoren und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer spüren lassen, war 2011 wieder eine eindrucksvolle Veranstaltung zu erwarten. Von Haltern und Unterstützern der Oldtimer-Idee wurde zudem in den letzten Jahren am Platz das "Fliegende Museum Hahnweide" etabliert. Dieser Zusammenschluss von Freunden und Besitzern historischer Segel- und Motorflugzeuge ist als Verein auch für Nicht-Piloten offen und bildet einen neuen ideellen Rahmen für das Oldtimertreffen auf der Hahnweide.

Copyright: Torsten MeierCopyright: Torsten Meier

Von Vorfreude und Vorbereitungen

Die Ankündigungen der Organisatoren auf der Veranstaltungswebseite haben frühzeitig für Aufmerksamkeit gesorgt. Dort wird eine Auflistung der angemeldeten Flugzeuge geführt, die in den Monaten vor dem Treffen kontinuierlich und zeitnah gefüllt wird. Darin findet sich das "Who's Who" der deutschen und europäischen Oldtimerszene, in der ganzen Bandbreite von seltenen Schätzen bis zu Youngtimern à la PA-18, Extra & Co. Fluggeräte wie sie unterschiedlicher kaum sein können spiegeln die Entwicklung von ca. 100 Jahren Technikentwicklung wieder: Bleriot XI de 1910, der rote Fokker-Dreidecker, Segelflugzeuge aus den Anfangsjahren an Teck und Wasserkuppe, unzählige Doppeldecker vom fragilen Postflieger bis hin zu den gewaltigen AN-2.

Copyright: Torsten MeierCopyright: Torsten Meier

Erste Anreisen wurden im Laufe der Woche auf der Webseite vermeldet oder waren gar auf den Webcams zu sehen, ab Donnerstagnachmittag ging es dann zur Sache und die Flightline füllte sich kontinuierlich. Schön, dass auch bereits am Donnerstag die ersten Verpflegungsstände öffneten, so dass man in der Abendsonne erstem Hangar Talk frönen oder einfach die eindrucksvolle Stimmung genießen konnte.

Der Freitag war bei bestem Wetter diesmal spürbar besser besucht und entwickelt sich deutlich vom "get together" für Piloten und Geheimtipp für Stammgäste hin zum dritten Veranstaltungstag. Das Programm gibt es allemal her. Dem wird Rechnung getragen mit einer sehr moderaten Regelung für die Eintrittspreise: Das Wochenend-Ticket ist mit 28 Euro für drei Tage - zumal inklusive Parkgebühren und kostenlosem Shuttlebus zur S-Bahn und den Hotels - wirklich preiswert. Dazu abends ausgelassene Stimmung im Hangar mit der Live Band und auch in diesem Jahr die beleuchtete Flightline mit Lightshow.

Die Neukonzeption des Zuschauerbereiches sorgte durch Verlagerung der Merchandising-Zelte an die Hallen für mehr Platz auf dem Gelände, was als sehr wohltuend empfunden wurde. Die Verpflegungsstände der weiteren auf der Hahnweide beheimateten Vereine boten Vielfalt bei der Versorgung, systembedingt leider auch unterschiedliche Konzepte beim Pfandsystem für Gläser und Teller. Es ist sicher schwierig, ein "Pfandmärkle"-Konzept bei der Vielzahl der Anbieter kompatibel zu gestalten. So aber gibt es viele unnötige Wartezeiten bei Kauf, Abholung und Rückgabe, von den weiten Wegen mal abgesehen, falls man mit seinem Pfandobjekt am falschen Stand landet.

Das Parkplatzareal direkt am Flugplatzgelände wurde wieder von den Wohnmobilen dominiert, viele spottertauglich direkt mit Beobachtungsplätzen und Sonnenschirm auf dem Fahrzeugdach ausgestattet. Dazu gibt es aber eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen im Umfeld, auf denen gleich bei den Helfern an mobilen Kassen der Eintritt entrichtet werden konnte. Wartezeiten an den Zufahrten und den stationären Kassen wurde damit entschärft. Auch der Bereich der Pilotenbetreuung am Sprecherturm wurde umgestaltet und auf Grund gestiegener Sicherheitsauflagen vom Zugang zur Flightline entkoppelt.

Die Maßnahmen zur Neuordnung haben deutlich dazu beigetragen, die Peaks beim Besucheransturm zu entschärfen und das Raumgefühl auf dem Gelände zu verbessern.

Eindrucksvolles Programm

Bereits am Freitagmittag gab es das erste Weltklasse-Display mit den Royal Jordanian Falcons, einem Akro-Team auf 4 x Extra 300L. Zusehends füllte sich auch die Flightline mit weiteren anfliegenden Oldtimern, viele gleich mit "Smoke On" und entsprechender Action. Klar wenn man eh in der Luft ist.
Als historische Vertreter der Geschäfts- und Verkehrsluftfahrt waren alte Bekannte und auch einige Premieren vertreten, meist auch gleich mehrfach. Aus dem Hause deHavilland die D.H.104 Dove, die D.H.89 Dragon Rapid, eine Douglas DC-3 und auch deren russischer Lizenzbau, die ungarisch registrierte Lisunov Li-2.

Copyright: Torsten MeierCopyright: Torsten Meier

Und im Jahr 2011 wurde Wirklichkeit, was bereits mehrfach aus technischen Gründen oder wetterbedingt knapp scheiterte: Die sechs in Europa noch fliegenden Junkers Ju-52 haben am Freitagnachmittag über der Hahnweide mit mehreren Formationsüberflügen Geschichte geschrieben. Vertreten war die komplette Flotte der JU-AIR aus Dübendorf, die französisch registrierte Maschine unter EADS-Obhut und die D-AQUI der Lufthansa.
Beim Anflug aus Richtung Südwest war es absolut still auf den Rängen und die Teilnehmer lauschten dem Brummen der dreimotorigen Oldtimer. Auch, weil es in dieser Form wohl leider nicht wieder zu sehen sein wird, da für eine der JU-AIR-Maschinen im nächsten Jahr die Stilllegung angekündigt ist. Sehr schade, aber wohl allein aus Gründen der Ersatzteilversorgung nach über 70-jähriger Einsatzzeit unabdingbar, um die anderen Flieger am Himmel halten zu können.

Die Hahnweide gilt in Deutschland zu Recht auch als ein Highlight für Warbird-Fans. Allerdings wird der Veranstaltung Unrecht getan, wenn deren Qualität nur an der Anzahl und der Überflugtiefe (pardon -höhe) der WW2-Fighter bemessen wird. Viele Teilnehmer mit ähnlichem historischen Kontext sind nicht minder interessant und haben Luftfahrtgeschichte geschrieben. Eindrucksvolles Beispiel bot ein weiteres Gruppendisplay: So gab es auch den Fieseler Storch Fi-156 bzw. Lizenzbauten im Sechser-Pulk vor der Teck zu bestaunen. Als Langsamstflugzeug für kurze Start- / Landestrecke konzipiert mussten diese sich bei Gegenwind sichtlich anstrengen, ihre Formation zu halten.

Copyright: Torsten MeierCopyright: Torsten Meier

Verständlich auch, dass einige der Raritäten nicht mehr auf der doch eher für den Segelflug ausgelegten Graspiste der Hahnweide landen. Umso schöner, sie trotzdem im Flight Display erleben zu dürfen: Highlights sicherlich die Vorführungen der Messerschmitt-Stiftung, die mit der Me-262 und der Me Bf-109 aus Manching anflogen und natürlich auch die Flying Bulls aus Salzburg. Diese waren historisch gesehen mit Flugzeugen auf Seiten der Alliierten vertreten und präsentierten ihre blitzblank polierten North American B-25 Mitchell und Lockheed P-38 Lightning wie davor die Messerschmitts im Zweier-Überflug und mit Solo-Display.

Militärisches Großgerät war mit der Nord Noratlas vertreten, die als Transportflugzeug für die noch junge Bundeswehr in den fünfziger Jahren auch in Hamburg gebaut wurde. Sie kam auch über Stuttgart zur Hahnweide und präsentierte den Zuschauern in ausgiebigen Displays ihre Wendigkeit und taktische Flugprofile. Viele Highlights und auch einige Premieren waren auf und über der Hahnweide zu bestaunen: Es ist nahezu unmöglich, alle aufzuzählen. Insbesondere die Sikorsky S-38 Flying Yacht "Osas Ark" und die Consolidated PBY "Catalina" als Vertreter der Amphibienflugzeuge bildeten ein eindrucksvolles Duo und flogen gemeinsam ihre Displays. Und die unglaublichen Rauchkringel, die Christophe Jacquard mit seiner Sea Fury an den Himmel zauberte, wurden hier bisher auch noch nicht gesehen.

Das Flugprogramm endete an den Abenden mit Vorführungen illuminierter Modellflugzeuge, nach Einbruch der Dunkelheit war wie im Vorjahr die beleuchtete Flightline zu bestaunen. Bis in die Nacht wurde diese zu jeder halben Stunde zur Lightshow mit hinterlegtem Musikprogramm.

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Drumherum und Mittendrin

Es wurden wieder Rundflüge in diversen Flugzeugmustern angeboten und von den Besuchern auch ausgiebig genutzt. Die Dragon Rapide aus Großenhain diente diesmal als Pilotenshuttle zum Flughafen Stuttgart. Leider ist ihr dort der Abgasstrahl eines Jets zum Verhängnis geworden und sie wurde dabei - glücklicherweise ohne Personenschaden - schwer beschädigt. Es bleibt zu hoffen, dass sie eines Tages wieder flügge wird.

Auf dem Hahnweide Turm gab es wieder die professionelle Unterstützung vom Lotsenteam um Jochen Haas. Je zu zweit im Schichtbetrieb haben die Vollprofis vom Stuttgart-Tower eine reibungslose Flug- und Verkehrsleitung sichergestellt, unterstützt von den Kollegen der örtlichen Flugleitung. Auf dem Sprecherturm waren wie in den Jahren davor Jörg Lohmann und seinen beiden Kollegen in vollem Einsatz. An allen Tagen gaben die Kommentatoren und begeisterten Kunstflieger Hintergrundinformationen zu den Flugzeugen, fundierte Kommentare zu den Vorführungen und auch die berühmt-berüchtigten lockeren Sprüche kamen nicht zu kurz. Absolut Spitze!

Unzählige Helfer, überwiegend ehrenamtlich tätig aus den Hahnweide-Vereinen und den umliegenden Ortschaften, machen so eine Veranstaltung erst möglich. Obwohl selbst begeisterte Fliegerfans, stellen sie meist fernab der Action im Einsatz auf Parkplatz, bei der Gästebewirtung oder in der Administration den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sicher. Vor allem diesen Einsatz würdigt Veranstaltungsleiter Hans Puskeiler in seinem eindrucksvollen Schlusswort auf der Webseite und gibt damit einen kleinen Einblick, was alles notwendig ist, um so eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne zu bringen. Von außen ist kaum vorstellbar, welch logistischer, personeller und administrativer Aufwand gestemmt werden muss.

Text und Fotos: Torsten Meier

 

 
   


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