15.08.2011 - Es war bestimmt keine leichte Entscheidung. Aber nach sechs aufeinanderfolgenden Trainings in Neubrandenburg auf dem Flugplatz Trollenhagen wollten wir mal neue Gebiete im kleinen aber feinen und sehr fliegerfreundlichen Königreich im südlichen Skandinavien erkunden. In Dänemark. Entlang des kleinen Belt vom Kattegat bis hinauf zum Skagerrak, rund der Insel Fünen, Seeland und entlang der Küsten von Jütland sowohl auf der Ostseeseite als auch auf der der Nordsee. Hier sind keine Orte und kein Flugplatz weiter als 60 km vom Wasser entfernt. Und natürlich in die Dänische Südsee. Ein Traum. Auf kleine Inseln mit größtenteils privaten Flugplätzen. Auf Pisten, die erst im letzten Augenblick als Flugplätze zu identifizieren waren. Inmitten von Wiesen und Feldern, die manchmal mehr nach Flugplätzen aussahen als die wirklichen Landebahnen. Spannend und wie wir auf Neuhochdeutsch sagen würden: Challenging. Nicht zu vergessen auch die Ost- und Nordfriesischen Inseln. Nicht nur Sylt und Juist, sondern auch Föhr und Amrum. Und, obwohl wir diesmal nur einen Überflug gemacht haben, Helgoland mit seinem anspruchsvollen Flugplatz auf der Düne. Wir kennen ja die Insel vom letzten Jahr recht gut, wo wir mit acht Flugzeugen eine Zwischenlandung beim MFG5 eingelegt hatten. Flensburg bietet für unsere Trainingsflüge eine ideale Ausgangsbasis für das ausgesuchte Fluggebiet. Der Flugplatz Schäferhaus liegt nahe der dänischen Grenze und einige Plätze, wie z.B. Sonderburg, Aerö und Padborg können ohne Flugplan mit dem "Kleinen Grenzverkehr" angeflogen werden. Die Weiterflüge in Dänemark sind natürlich nicht flugplanpflichtig. Was allerdings niemanden daran hindern sollte, speziell bei Flügen über große Wasserflächen im Kattegat einen Flugplan aufzugeben. Auch macht es Sinn, sich bei den Infofrequenzen anzumelden. Schließlich kann ja immer was passieren und dann sind wir froh, wenn unsere potentiellen Retter unseren Standort einigermaßen genau kennen. Die Planung für "Flensburg 2011" hatte schon im Februar angefangen. Zusammen mit Ute haben wir ein "Brainstorming" durchgeführt und alle Eckpunkte des Trainings festgelegt. Wichtig waren die Hotelbuchungen, denn unser Trainingstermin fällt ja in die Zeit der Mittsommernacht und somit gibt es auch in Flensburg eine ganze Menge Touristen. Nachdem die Hotels klar waren sind Ute und ich nach Flensburg gefahren und haben mit den Flugplatz- und Vereins-Verantwortlichen alle anderen offenen Fragen geklärt. Trainingsraum, WLAN, Parken der Flugzeuge und Unterstützung durch die "Einheimischen" vor Ort. Speziell von Hackie und Heiko. Das war ganz prima und hilfreich. Danke. Jetzt fehlt nur noch der Segen von oben. Das ganze Frühjahr war im Norden geprägt von wunderschönem Wetter, viel Sonne und hohen Temperaturen. Fast beängstigend, denn irgendwann kommt bestimmt das dicke Ende. Jetzt suche ich noch Rat beim 100-jährigen Kalender. Für die zweite Junihälfte prognostiziert er Wärme und Sonne mit leicht unbeständigen Tendenzen. Puh. Geschafft. Aber dann entpuppt sich der Juni als vollkommen unberechenbar. Aprilwetter, Sturm, Gewitter, Hagel, Kälte, geringe Sichtweiten und starke Bewölkung. Also fast alle vier Jahreszeiten. Allerdings alle an einem Tag. Da soll man den Mut nicht verlieren! Schließlich macht sich der angeborene Optimismus einer Frohnatur bezahlt. Pünktlich einen Tag vor dem Treffen schlägt das Wetter um. Und schon auf dem Weg von Rostock nach Flensburg, leider ganz unüblich mit dem Auto, kitzelt uns die Sonne schon recht kräftig. Mietzi, der richtige Name klingt anders, fängt an zu strahlen und am Flugplatz treffen wir Ute und Karen. Die Mädels packen kräftig mit an und in kurzer Zeit ist der Schulungsraum des Flensburger Vereines für uns hergerichtet. Mit Beamer und Tablet PC für alle relevanten Anwendungen. PC-Met, AIS, FliteStar, JeppView usw. Jedes Team bekommt ausgearbeitete Unterlagen und Berichte sowie eine gültige ICAO-Karte von Dänemark. Ein aktuelles Trip Kit steht zur Verfügung und Anflugkarten werden, farbig, bei Bedarf ausgedruckt. Dazu noch kleine Süßigkeiten zur Begrüßung und was zu trinken. Die Mädels sind doch wunderbar und denken praktisch. Schön, dass sie dabei sind. Von den zehn angemeldeten Teams kommen neun "on time". Auch alle Fluglehrer sind da. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Das zehnte Team kommt morgen. War so ausgemacht und klappt auch. Das Briefing kann also pünktlich stattfinden, denn am Nachmittag wollen wir den ersten Flug zu einem kleinen Platz auf der Insel Fünen machen. Den Tipp haben wir von Heiko Harms. Von der Clipper Aviation. Heiko gibt uns eine kleine Einweisung über den kleinen Grenzverkehr sowie über andere Eigenheiten des Fliegens in Dänemark und hat einige interessante Informationen über die Inseln der Dänischen Südsee, die wir anfliegen wollen. Also geht es fast geschlossen los zu einem Platz, auf dem noch keiner von uns vorher gewesen ist. Egeskov Slot. Über Padborg und Aerö fliegen wir entlang des Svendborg Sund zur großen Brücke über den kleinen Belt zwischen Nyborg und Korsör. Christine, unser aktiver Passagier, macht eine Menge Fotos von diesem wirklich imposanten Bauwerk. By the way. Ich fliege natürlich wieder mit meiner Stammkapitänin auf der Cirrus SR22 GTS. Mit Gabriele. Und Christine ist... richtig, ihre Schwester. Willkommen im Team.  |  |
Der Anflug auf Egeskov Slot ist spannend. Der Endanflug führt über einen Ort mit zwei hohen Schornsteinen auf die schmale und wellige Graspiste parallel zur Straße. Gabi hat alles im Griff. Nur die gestrenge Stimme hinter unserem Glascockpit schreit unablässig. Terrain - Terrain - Terrain- Pull-up - Pull-up - Pull-up. Der meint doch nur die Schornsteine. Auf meinen unmutigen Ausruf "shut-up" hört er leider nicht und so müssen wir diesen virtuellen Herrn bis zur Landung ertragen. Am Ende der Bahn in einer kleinen Bucht mit einem Windsack stehen schon sechs Flugzeuge unserer Gruppe. Wir sind Nummer sieben und finden unseren Platz genau in der Mitte. Wie es sich gehört.  |  |
Gemeinsam gehen wir alle über die üppigen Wiesen mit wunderschönen Mohnblumen zum nahegelegenen Schloss. Leider sind wir für eine Besichtigung etwas spät dran und so nutzen wir die verbleibende Zeit zu einem kurzen Spaziergang entlang des prächtigen Anwesens. Wir werden später aus der Luft noch etwas genauer auf die beeindruckende Anlage schauen und das gepflegte Areal fotografieren. Da der Flugplatz Flensburg bis 20 Uhr lokal geöffnet ist, haben wir keinen Zeitdruck. Zum Start von dem kleinen Flugplatz muss jedes Flugzeug erst die ganze Bahn bis zur T/O Position zurückrollen. Das dauert bei sieben Flugzeugen doch ein paar Minuten. Nummer eins ist eine Grob, ein Motorsegler mit dem Team von Peter und Yvonne. Ja, wir haben neben den Standardtypen wie Cessna, Piper, Beech, einer Zweimot und einer Cirrus auch einen Motorsegler dabei. Wir warten und warten. Aber die Grob kommt nicht. Nur ein lapidarer Funkspruch: Helft uns, wir stecken fest. Daraufhin starten so um die sechs Leute per Pedes entlang der Bahn um Hilfe zu leisten. Trivial ausgedrückt: um anzuschieben. Das tun wir dann auch. Die 80 PS des Limbach plus die drei PS von uns sechsen reichen aus. Das Gerät nimmt Fahrt auf und fliegt. Alle anderen kommen gut weg und so treffen wir uns abends in einem kleinen Lokal in der Flensburger Innenstadt zum üblichen Debriefing. Gut Essen, gut Trinken und eine ganze Menge Geschichten. Wie immer.  |  |
Der zweite Tag führt uns mitten durch den kleinen Belt über Endelave, EKEL, zur Insel Anholt, EKAT, dem Kattegat und weiter nach Laesö, EKLS. Die Wolkenuntergrenze liegt bei ca. 2000 ft, die Sichten von Pol zu Pol. Und immer wieder mal kommt die Sonne raus. Auf Laesö sind wir mit unserem Team die ersten. Es ist ganz schön windig und böig und so macht die Landung schon etwas Spaß. An der Infohütte steht einsam eine deutsche Urlauberfamilie mit Auto. Auf meine Frage wie weit der Ort weg ist bekomme ich eine freundliche Antwort (in Dänemark ist alles und jeder freundlich). Drei Kilometer. Gleichzeitig wird der Kindersitz samt strahlendem weiblichen Inhalt so weit zur Seite geschoben, dass neben der Familie noch Christine und ich Platz haben. Gabi bekommt den Ehrenplatz im Kofferraum des Kombis. Und so machen wir einen kleinen Ausflug in die Insel City. Wieder am Platz treffen wir weitere vier Teams unserer Gruppe. Und fliegen mehr oder weniger gemeinsam über Skagen in den Skagerrak und von dort aus nach Alborg, EKYT, zum Tanken. Wie es der Zufall so will, sind gleichzeitig drei Airliner am Platz. Im Terminal herrscht ein Betrieb wie auf einem richtigen Flughafen. Aber nur kurz. Dann wird es wieder sehr gemütlich. Da wir mit sieben Personen an der Abfertigung stehen, bekommen wir einen Crewbus zur Parkposition unserer drei Flugzeuge. Wenn keine Airliner da wären dürften wir laufen. So ist es aber einfacher. Es wird halt hier nicht alles so eng gesehen. Den Abend verbringen wir wieder in der Flensburger Innenstadt. Direkt am Wasser in der Hansen Brauerei. Groß, urig, gemütlich und mit prima Stimmung. Auch unser zehntes Team ist jetzt dabei und hat sich gleich voll integriert. Am dritten Tag ist neben dem Flug entlang der Nordseeküste das Flugzeugmuseum in Stauning angesagt. Mit wunderbar gepflegten Exponaten auch von deutscher und britischer Herkunft. Mich beeindruckt neben der angenehmen Atmosphäre die Neutralität der Darstellungen, obgleich auch die Zeit der Weltkriege eine Rolle spielt. Hier stehen sie kommentarlos und friedlich nebeneinander. Die Gegner in zwei Kriegen. Ohne die grausigen Szenen und Anspielungen, wie ich sie leider schon öfter in anderen Gegenden und Museen erlebt und gesehen habe.  |  |
Einige unserer Teams fliegen über Föhr und Amrum, andere über Sylt. Wir machen bis Stauning keine Zwischenlandung und folgen von Kiel aus dem Nord-Ostsee Kanal bis Brunsbüttel an der Elbmündung. In Kiel erleben wir noch was Tolles. Die Kieler Förde ist voll von Schiffen. Ich würde sagen Hunderte von Schiffen. Von der City bis zum Marineehrenmal in Heikendorf. Die berühmte Windjammerparade der Kieler Woche, die an diesem Wochenende zu Ende geht. Ein wirklich toller Anblick und so kreisen wir zweimal "ClockWise", wie es die Regel vorschreibt, über die Förde.  |  |
An der Nordsee ist Ebbe und so genießen wir die wunderschöne Wattlandschaft, die ja zum Teil Weltnaturerbe ist. Wir sehen die Priele und die Halligen und überfliegen weite Sandbänke bis hin zur Westküste von Sylt. Dann nach Norden und immer geradeaus. Bis eben nach Stauning. Nördlich von Stauning gibt es den Flugplatz Fur. Laut Hopper Manual des Flensburger Flugplatzes ist der Platz noch nicht erkundet und so versuchen wir zumindest ihn zu finden. Was uns dann auch im zweiten Anlauf gelingt. Schmal, kurz und von Gabi und mir ein saloppes "muss nicht sein". Das war's. Aber zwei Flugzeuge stehen dort. Also geht es. Zurück nach Flensburg fliegen wir über Endelave und Aerö, wo wir wieder ein Team unserer Gruppe treffen. Die haben doch glatt eine Fahrradtour auf der Insel zum nächsten Lokal gemacht und folgen uns, nur leicht gesättigt, nach Flensburg. Wir haben dort einen Grillabend im Flugplatzlokal bestellt und, wen wundert's, kommen alle Teams aus verschiedenen Richtungen pünktlich zum Futtertrog. Rush-hour im Anflug. Ich freu mich richtig auf ein kühles Blondes und gebe meinen Autoschlüssel gleich an Gabi ab. Sie nimmt ihn mit einem leichten, verständnisvollen Lächeln und bleibt ihrerseits bei Schorle. Danke. Und schon sind die vier Tage fast vorbei. Unsere Gruppe aus Gladbach und Bonn fliegt über die Ostfriesischen Inseln wieder nach Hause. Aber auch die, die wieder nach Flensburg müssen, möchten ebenfalls auf die Inseln, am liebsten nach Juist. Und ich besonders, denn dort war ich noch nicht. Also sehen wir immer wieder Flugzeuge unserer Gruppe in der Luft und schließlich alle Besatzungen auf der Terrasse am Flugplatz. Hier ist ja wirklich was los. Eine Zweimot nach der anderen landet und hebt ab. Voll mit Urlaubern, die um diese Zeit bei Niedrigwasser die Insel nicht mit dem Schiff erreichen können. Sie fliegen von Juist nach Süden nach Norden und von Norden nach Norden nach Juist (ist kein Schreibfehler). Wie an der Perlenkette. Ein toller Anblick für jeden Piloten. Sieben unserer Teams treffen sich hier auf Kaffee und Kuchen und Eis und....und. Keiner will weg. Es ist so unglaublich schön, entspannend und gemütlich und so warten wir bis zum letzten Augenblick um einander Tschüss zu sagen. Aber schließlich müssen wir. Alle Teams sind gut wieder nach Hause gekommen. Nach Norddeutschland, ins Rheinland, nach Nürnberg, nach Stuttgart und nach Rostock. Und drei Anmeldungen habe ich schon wieder für das nächste Jahr. Für Flensburg 2012. Danke an alle, die mitgeholfen haben, dieses Training stressfrei und erfolgreich durchzuführen. Es war eine tolle Truppe mit vielen Beiträgen, Freude und Spaß. Und wir hatten diesmal doch viele Mädels dabei. Weiter so. Ingolf Panzer |
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