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Nachruf - Elly Beinhorn

 
 

November 2007 - Auch wenn sie sich selbst nie als Heldin gesehen hat: Elly Beinhorn war eine der berühmtesten Pilotinnen des letzten Jahrhunderts und eine hervorragende Botschafterin der Allgemeinen Luftfahrt. Mit ihren Rekordflügen und mit ihrer journalistischen Tätigkeit hat sie Großes für die Luftfahrt geleistet und mit ihrem Pioniergeist vielen Frauen den Weg in die Männerdomäne Fliegerei geöffnet. Ihr Name wird immer mit der Luftfahrt verbunden bleiben.

Elly Beinhorn ist am 28. November 2007 im Alter von 100 Jahren verstorben. Sie war viele Jahre Ehrenmitglied der AOPA-Germany. Auch nach der Beendigung ihrer aktiven fliegerischen Laufbahn war sie der AOPA stets eng und freundschaftlich verbunden.

Elly Beinhorn in ihrer Taifun

Elly Beinhorns Begeisterung für die Fliegerei wurde 1928 durch einen Vortrag von Hermann Köhl geweckt, der in einer einmotorigen Junkers W33 als erster den Nordatlantik von Ost nach West überquerte.

Im Frühjahr 1929 erwarb Elly Beinhorn an der Sportfliegerschule in Berlin-Staaken ihren Luftfahrerschein und kurz darauf die Kunstflugberechtigung an der Fliegerschule Würzburg. Weitere Lizenzen folgten.

Berühmt wurde Elly Beinhorn 1931 durch ihren ersten Alleinflug nach Afrika mit einer Klemm KL 26. Der Hinflug führte sie über eine Strecke von rund 7.000 Kilometern nach Bolama. Auf dem Rückflug musste sie zwischen Bamako und Timbuktu notlanden, den viertägigen Marsch zurück in die Zivilisation bewältigte sie mit Hilfe von Eingeborenen.

Schon wenige Monate nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hatte Elly Beinhorn neue Pläne. Sie wollte „irgendwo nach unten rechts" auf dem Atlas fliegen. Aus dem „irgendwo" wurde ein gesamter Weltflug, der zunächst über Indien und Singapur nach Australien führte. Dort verpackte Elly Beinhorn ihre Maschine in zwei große Kisten und schipperte nach Panama, von dort ging es weiter nach Buenos Aires. Reichspräsident Paul von Hindenburg zeichnete Elly Beinhorn 1933 für diese Leistung mit dem Hindenburg-Pokal aus, der höchsten deutschen Ehrung in der Luftfahrt. Dies spornte sie zu weiteren Flügen mit ihrer Klemm in die früheren deutschen Kolonien in Afrika, Mittel- und Südamerika an. 1935 flog Elly Beinhorn mit der neu entwickelten Messerschmidt Me 108 „Taifun" an einem Tag von Gleiwitz in Schlesien nach Skutari am Bosporus und zurück nach Berlin-Tempelhof. In nicht einmal vierzehn Stunden hatte sie 3.470 Kilometer zurückgelegt und die Strecke Deutschland - Asien - Deutschland an einem einzigen Tag bewältigt (1993 wurde eines der letztes Exemplare der Me 108 von der Lufthansa Berlin Stiftung restauriert und von Elly Beinhorn persönlich auf ihren Namen getauft, Kennung: D-EBEI).

Elly Beinhorn als Journalistin 

Am 13. Juli 1936 heiratete Elly Beinhorn den Autorennfahrer und mehrfachen Grand-Prix-Sieger Bernd Rosemeyer, der zehn Wochen nach der Geburt von Bernd junior im Januar 1938 bei einem Weltrekordversuch auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt tödlich verunglückte.

1979 gab Elly Beinhorn mit 73 Jahren und mehr als 5.000 geflogenen Stunden ihren Pilotenschein zurück. „52 Jahre sind genug", resümierte sie damals, „ich hatte das Glück in einer Zeit fliegen zu dürfen, als das wirklich noch ein Abenteuer war. Ich habe noch diese herrlichen, unabhängigen Zeiten erlebt, als man am Himmel ganz für sich alleine war!"

 
   


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